Wissenswertes

Die Zirbeldrüse und die Wunderwaffe Melatonin – Teil 2

Im ersten Teil haben wir geklärt, welche Rollen die Zirbeldrüse und das von ihr produzierte Melatonin im zirkadianen Rhythmus einnehmen. In diesem Teil wollen wir uns etwas intensiver mit dem Wunderstoff Melatonin, seiner Entstehung und was passiert, wenn zu wenig Melatonin produziert wird, beschäftigen.

Melatonin hat viele wichtige Eigenschaften für unser Immunsystem, so viel sei schon einmal verraten. Vereinzelt existieren bereits Studien, die den Einsatz von Melatonin innerhalb der Krebstherapie sowie deren Nachsorge und Prävention beleuchten. Da wir klären wollen, was Sie tun können, um die Melatonin Produktion anzukurbeln, werden Sie in diesem Artikel mit Adenosin, Tryptophan, Serotonin, Adenosintriphosphat und anderen kompliziert klingenden Begriffen konfrontiert werden. Was kompliziert klingt, muss es nicht sein – komplex, dass kann es werden. Wir tun unser Bestes, damit Sie verstehen, begreifen und letztendlich um- oder einsetzen können, was an Wissen rund um die Zirbeldrüse existiert. Sind Sie bereit, dann lassen wir die Hormone tanzen!

Wenn die Sonne untergeht und über die Augen weniger Licht aufgenommen wird, beginnt in unserem Körper die Nachtschicht die Arbeit aufzunehmen. Der natürliche Rhythmus sieht vor, dass unser Körper in der Nacht ruht. Mit Hilfe des Melatonin wird unser Körper darauf vorbereitet.

Wie genau funktioniert das?

Hormone sind die Signalraketen des Körpers und funktionieren nach dem sogenannten „Schlüssel-Schloss-Prinzip“. Rezeptoren (Zellen oder Zellbestandteile, die auf spezielle Reize, Signale, Signalkörper spezialisiert sind) sind im ganzen Körper verteilt und warten darauf, dass ein spezifischer, eigens für sie entwickeltes Signal (Hormon) vorbeikommt und „andockt“. Wird durch das „Andocken“ der Rezeptor ausgelöst, erfolgt eine definierte Reaktion. Im Fall von Melatonin sind es Rezeptoren (M1 undM2) im Hypothalamus. Der Hypothalamus ist eine zentrale „Schalteinheit“ unseres Gehirns, in der wiederum über die Produktion von Botenstoffen Körperfunktionen gesteuert werden. Das Melatonin belegt also spezielle Rezeptoren und der Hypothalamus bekommt dadurch die Information: Die Nacht bricht herein, die Nachtschicht muss ran, fahr den Körper runter!

Was passiert dann im Körper?

Die Körpertemperatur fällt, Atmung und Puls werden langsamer und der Blutdruck senkt sich ebenfalls etwas. Mitverantwortlich hierfür ist das „auf Befehl“ ausgeschüttete Adenosin. Im Nervensystem blockiert es die Ausschüttung von z.B. Dopamin oder Noradrenalin, was zu einer Weitung der Blutgefäße – der Blutdruck nimmt ab, und Verringerung der Herzfrequenz führt. Adenosin wird aus ATP hergestellt. ATP (Adenosintriphosphat) ist für eifrige Leser unseres Blogs ein „alter Bekannter“, denn ATP kam schon öfter in unseren Artikeln vor. Kurz und knapp hier zur Erinnerung: ATP ist das „Benzin“ für unsere Zellen und entsteht in den Mitochondrien – den Kraftwerken unserer Zellen. ATP wird zum großen Teil in den Muskelzellen gespeichert und bei Muskeltätigkeit verbraucht. Es ist aber an nahezu allen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Je mehr ATP verbraucht wird, desto mehr Adenosin entsteht (als Abbauprodukt) und bewirkt über die oben genannten Prozesse, dass wir uns schlapp und müde fühlen. In der Nacht wird zirkulierende bzw. vorhandene Adenosin wieder abgebaut. An dieser Stelle sei das Burnout-Syndrom und der Mitochondriale Stress erwähnt. Ein Themenkomplex, der ebenfalls in einigen Artikeln unseres Blogs angesprochen wurde. Das Gefühl ausgebrannt zu sein und/oder nicht in der Lage zu sein, Leistungsreserven am Tage aktivieren zu können, ist nicht nur weit verbreitet, sondern zeigt wesentliche Defizite auf. Defizite an grundlegenden Stellen, die im Grunde zivilisationsbedingt sind – also mit unserem ach so modernen und urbanen Leben zusammenhängen. Zurück zu Melatonin und Zirbeldrüse.

Wir sprechen nicht umsonst vom „erholsamen Schlaf“, denn in dieser Zeit verarbeitet unser Gehirn die Eindrücke des Tages, die Energiespeicher des Körpers können sich auffüllen und die Regeneration von Knochen, Muskeln und inneren Organen wird aktiviert. Da der Körper nun keine Belastung mehr meistern muss, kann sich das Immunsystem auf die Abwehr konzentrieren. Insbesondere in der ersten Nachthälfte ist der Stoffwechsel besonders aktiv und bildet neue Proteine und baut Abfall, der sich angesammelt hat, ab. Cortisol und andere Hormone beginnen in den frühen Morgenstunden den Körper wieder hochzufahren und leistungsfähig zu machen. Aber nicht nur der Schlaf, sondern auch das Melatonin selbst, ist geradezu eine Wunderwaffe bei mitochondrialen Stress und/oder Burnout.

Am Anfang der Melatonin Produktion steht das Serotonin. In der Zirbeldrüse wird aus dem Serotonin das Melatonin hergestellt. Auch bei Tag findet dieser Vorgang statt, allerdings wird durch das Licht die Produktion stark zurückgefahren bzw. Regelrecht gehemmt. Serotonin ist auch als „Glückshormon“ bekannt und folglich ist bei Serotoninmangel auch die Melatonin Produktion beeinträchtigt. Der wichtigste Produktionsort für die Herstellung von Serotonin ist in der Darmschleimhaut. Von dort wird das Serotonin an die Thrombozyten zum Transport abgegeben. Der Haken – das im Blut transportierte Serotonin kann die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren. Sie können also Schokolade essen bis die Zunge verklebt. Serotonin für das Gehirn spendet diese Gute-Laune-Aktion nicht. Damit die Zirbeldrüse also genug Serotonin zur Verfügung hat, muss dieses im Gehirn gebildet werden. Was tun – sprach…… wer war das doch gleich?

Grundbaustein für die Herstellung von Serotonin ist das L-Tryptophan. L-Tryptophan ist eine essenzielle Aminosäure und muss dem Körper zugeführt werden, da dieser sie nicht selbst herstellen kann. Das Gute an L-Tryptophan – es kann die Blut-Hirn-Schranke passieren. Wie gut also, dass wir sowohl mit der Zufuhr von L-Tryptophan die Produktion von Serotonin und Melatonin sicherstellen können – zumindest die Basis dafür- vorausgesetzt, die Zirbeldrüse arbeitet normal.

Gibt es Lebensmittel die reichlich Tryptophan enthalten?

Ganz oben an der Spitze der Lebensmittel mit hohem Gehalt an L-Tryptophan, stehen die Sojabohnen. Ebenfalls gut Lieferanten sind Cashew-Nüsse, Haferflocken, Hähnchenbrustfilet, Erbsen, Schweinefleisch, Lachs und Walnüsse. Es ist eine gute Sache, besonders im Winter über die Nahrung L-Tryptophan aufzunehmen, um damit eine gute Grundlage für ausreichend Serotonin und damit Melatonin zu haben. Wenn Sie also abends ein paar Walnüsse (es müssen nur 4-6 sein) essen und etwas Schokolade und einen Glas guten Rotwein dazu nehmen – denken Sie nicht na die Kalorien, wozu leben Sie denn?!

Kann man Melatonin auch direkt zu sich nehmen?

Inzwischen gibt es reichlich Produkte mit Melatonin, die frei verkäuflich und in Drogerien und Apotheken zu kaufen sind. Doch macht das Sinn? Zunächst – und das ist das Wichtigste, die Dosis des Melatonin in diesen Produkten ist sehr, sehr gering. Ich habe neulich ein Produkt in der Drogerie gefunden, das mit 1,85 mg schon eine vergleichsweise hohe Konzentration an Melatonin hat. Es gibt natürlich auch Produkte mit mehr Melatoningehalt, aber Vorsicht, man greif schließlich in einen sehr empfindlichen Hormonhaushalt ein!

Ist der Stress am Tag enorm und lässt über Tage hinweg nicht nach, kann man durchaus mal eine Tryptophan – Melatonin-Kur machen. Ein hoher Stresslevel am Tag sorgt für einen hohen Cortisolspiegel (lesen Sie dazu auch unseren Artikel zur Stresskaskade auf dem Blog) und dann kann es durchaus zu Defiziten in der Funktion der Zirbeldrüse kommen und es wird nicht genug Melatonin ausgeschüttet. An dieser Stelle kann man dann durchaus einmal etwas nachhelfen. Doch Vorsicht ist geboten. Kopfschmerzen und Hals-Nasen-Entzügen sind die häufigsten Nebenwirkungen bei Überdosierung oder zu langer Melatonin Substitution.

Was macht Melatonin sonst noch im Körper?

Melatonin ist, wie eingangs erwähnt, eine wahre Wunderwaffe, wenn es um die Bekämpfung von mitochondrialen Stress geht. Melatonin schützt und repariert die mitochondriale DNA – unsere evolutionäre „Grund DNA“. Sie ist die DNA, die wir quasi zur Geburt des Homosapiens bekommen haben. In Ihr steckt der Programcode für den Menschen. Melatonin macht freie Radikale unschädlich und kann somit einem beschleunigten Alterungsprozess aktiv entgegenwirken. Es hemmt die Produktion von Magensäure und drosselt den Appetit. Während den Tiefschlafphasen regt es die Produktion von Somatropin an. Damit wird die Zellerneuerung aktiv unterstützt.

Was beeinflusst die Melatonin Produktion?

Jede länger wir bei Dunkelheit wach bleiben und uns einer Beleuchtung aussetzen, desto mehr schaden wir der Zirbeldrüse. Insbesondere langes Fernsehschauen und reichlich weiße LED-Beleuchtung sind der langsame Tod unserer Zirbeldrüse. Kommen dann noch Kaffee in den Abendstunden oder gar Nachtarbeit hinzu, ist es schnell vorbei mit dem erholsamen Schlaf. Ein funktioneller Schlaf ist dann noch möglich, aber die Qualität des Schlafes ist weit vom Ursprung entfernt. Das Ergebnis sind Schlafstörungen. Im nächsten Schritt wachen wir nicht mehr erholt auf. Im dritten und vierten Schritt können wichtige, regenerative Reparatur Prozesse die Schäden nicht mehr beheben und die Schädigungen in unseren Zellen und damit unserem Körper subsummieren sich – beschleunigter Zelltod, sinken Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sind die Folge. Manche Forscher sprechen hier auch vom Eintritt in eine erhöhte oder fortgeschrittene Krebsanfälligkeit.

Auch manche Medikamente hemmen die Produktion von Melatonin. Dazu gehören z.B. ASS, Beta-Blocker, Kortison oder Benzodiazepine. Im Schlafzimmer sollten keine Digitalgeräte, Fernseher oder Handys stationiert sein.

Was kann ich gegen für eine gute Funktion der Zirbeldrüse tun und wie kann für ausreichend Melatonin sorgen?

Es gibt viele verschiedene Ansätze, wie man die Funktion der Zirbeldrüse unterstützen oder reaktivieren kann. Es gibt auch die Möglichkeit, in einem vernünftigen Rahmen Melatonin oder die Grundstoffe wie Tryptophan zu sich zu nehmen. Einer der Ansätze ist der gezielte Einsatz von Licht. Auch wenn es jetzt vielleicht grotesk klingen mag, aber mit dem Magic-Light-Pen und einem gezielten Einsatz können Sie die Zirbeldrüse insbesondere im Herbst/Winter unterstützen. Die verschiedenen Ansätze, Philosophien und Tipps sind dann Inhalt des Dritten Teils dieser Serie.

Die Zirbeldrüse Teil 1

Sie ticken wohl nicht richtig!- Doch, mit meiner Zirbeldrüse ist alles in Ordnung

Unsere Zellen arbeiten unermüdlich. Sie halten unseren Stoffwechsel am Laufen, produzieren die Energie für unseren Körper, sorgen für Wachstum, reparieren und erneuern. In den frühen Morgenstunden, am Tag und in der Nacht – zu jedem Zeitpunkt geschieht in unserem Körper, was für die jeweilige Tages- oder Nachtzeit notwendig ist. Es ist der sogenannte circadiane Rhythmus, der das steuert. Der circadiane Rhythmus beschreibt nach welchem Muster die Arbeit von Organen, wie zum Beispiel den Nieren, die Ausschüttung von Hormonen, die Höhe von Puls oder Blutdruck in einem Zeitraum von 24 Stunden verläuft. Eine kleine Drüse im Mittelpunkt unseres Gehirns nimmt dabei eine zentrale Stellung ein. Es ist die Zirbeldrüse, auch Epiphyse genannt, die einen überaus wichtigen  Rhythmus vorgibt – den Schlaf- Wachrhythmus. Ihre Hauptaufgabe als Drüse, ist die Produktion des Hormons Melatonin – auch bekannt als Schlafhormon. Dieses Hormon, seine Gegenspieler und seine Vorläufer übernehmen eine Reihe von Steuerungsaufgaben. Doch nicht nur rein biologisch bzw. biochemisch ist die Zirbeldrüse ein Organ von zentraler Bedeutung. In der Esoterik (wir benutzen diesen Begriff bewusst und schon gar nicht abwertend oder negativ) hat die Zirbeldrüse eine wichtige spirituelle Bedeutung und das nicht erst in der jungen Vergangenheit.  Beginnen wir die einzelnen Aspekte zu betrachten.

Das „Dritte Auge“

Als „das dritte Auge“ wird in manchen Bereichen der Esoterik, die Zirbeldrüse selbst bezeichnet. In manchen spirituellen Theorien ist das „Dritte Auge“ ein Punkt auf der Stirn in etwa zwischen den Augenbrauen lokalisiert, der es ermöglichen soll besondere Wahrnehmungen zu aktivieren. Manche Theorien ordnen das „Dritte Auge“ dem Bereich der Hypophyse zu und verknüpfen die Deutung mit „Lichtvisionen“. Was also ist nun das „Dritte Auge“? Man wird nicht umhinkommen, mehrere Deutungen des Begriffes das „Dritte Auge“ zuzulassen. Existiert aber vielleicht eine Gemeinsamkeit, etwas, auf das sich alle Theorien zurückführen lassen können? Biologisch bzw. biochemisch haben Forscher das „Dritte Auge“ an anderer Stelle lokalisiert und dem Begriff eine recht sachliche, funktionale Bedeutung zugeordnet. Für viele von uns ist jedoch klar, es gibt nicht nur die reine Biologie, die anatomisch zuordnet und offensichtliche Funktionen beschreibt. Darüber hinaus gibt es viele Dinge die geschehen, zunächst für uns noch unerklärbare Zusammenhänge aufweisen und uns bewusst machen, dass wir unendlich vieles letztendlich noch gar nicht wissen. Einzig das konkurrierende Denken, der generalstische Ausschluss von Alternativen oder anderen Wegen ist  eindeutig der falsche Weg. Doch nun die einzelnen Ansätze etwas genauer beleuchtet. Vielleicht finden wir ja doch noch den roten Faden.

Forscher haben ein „Drittes Auge“ entdeckt

Das unser biologischer Rhythmus im Wesentlichen von Tageslicht und Dunkelheit, also vom Tag-, Nachtrhythmus bestimmt wird, ist schon länger bekannt. Doch woher weiß die Zirbeldrüse wann es Nacht – also dunkel ist? Wie gelangt das Licht bis zur Zirbeldrüse, die im Zentrum des Gehirns eingebettet ist? Über die Augen gelangt eine Meldung an die Zirbeldrüse, die dann bei Dunkelheit das Melatonin produziert.

Selbst bei blinden Menschen sorgt das Tageslicht bzw. die Dunkelheit für den sogenannten circadianen Rhythmus. In der Netzhaut der Augen gibt es sogenannte Ganglienzellen, die in der Lage sind, Aktionspotenziale auszubilden. Photorezeptoren – Zapfen und Stäbchen- wandeln das einfallende Licht in elektrische Reize um und geben diese an die Ganglienzellen weiter, um von dort in das Gehirn zu gelangen. Forscher fanden zwischen den „normalen“ Ganglienzellen nun solche, die das Pigment Melanopsin enthalten. Melanopsin dient der Wiedergabe der Umgebungshelligkeit. Aufgrund dessen wurden diese Ganglien als „sehende“ Ganglienzellen bezeichnet. Es wurde weiterhin herausgefunden, dass diese sehenden Ganglienzellen besonders auf blaues Licht mit der Wellenlänge von 460 Nanometer reagieren. Mit diesem Licht ließe sich der Melatononanstieg bei Nacht besonders gut ausbremsen und dadurch der circadiane Rhythmus verschieben. Lichtquellen oder Bildschirme mit diesem Blaulichtmuster sind also in den Abendstunden und bei Nacht schädlich für unseren circadianen Rhythmus und stören mittel- und langfristig die Zirbeldrüse und damit unseren circadianen Rhythmus.

Bis zur Zirbeldrüse selbst, gelangt bei Säugetieren kein Licht. Sie sitzt so tief in der Mitte Gehirns, eingebettet hinter dem Hirnstamm in unmittelbarer Nähe zur Hypophyse, dass von außen einstrahlendes Licht nicht bis zu ihr vordringen kann. Sie erhält ihre „Lichtreize“ wie oben beschrieben durch die entsprechenden Nervenbahnen, die von den Ganglienzellen aus dem Auge über den Sehnerv in das Gehirn gelangen. Bei manchen Tieren, wie Fischen, vielen Vögeln oder auch Reptilien ist die Zirbeldrüse in der Tat lichtempfindlich. Die neuseeländische Brückenechse hat mit einer Besonderheit aufzuwarten. Sie besitzt einen durch eine Membran verschlossenen Schädelspalt, durch den das Licht einfallen kann. Bei dieser Echse reguliert die Zirbeldrüse die Körpertemperatur und man nimmt an, dass das Organ bei dieser Echse auf Infrarotstrahlung reagiert. Da die Echsen nachtaktiv sind, könnte das bei er Jagd behilflich sein. Brückenechsen stammen aus der Zeit von vor rund 200 Millionen Jahren. Möglich also, dass die Zierbeldrüse bei Säugetieren ebenfalls ursprünglich eine andere oder besser eine erweiterte Aufgabe hatte und ebenfalls durch multiple Reize ausgelöst wurde. Ob „Drittes Auge“, „Inneres Auge“,  „Auge des Bewusstseins“ oder einfach nur Zirbeldrüse – die Epiphyse, so die fachliche Bezeichnung,  es ist eine kleine Drüse mit großer Wirkung und damit von besonderer Bedeutung.

Was macht Melatonin?

Streng genommen muss man sagen, dass die Zirbeldrüse das Melatonin nicht in der Nacht produziert, sondern am Tage die Produktion des Melatonins gehemmt wird. Im ersten Augenblick vielleicht eine Nebensache. Will man jedoch Einfluss auf das Verhalten der Zirbeldrüse ausüben ein wichtiger Aspekt.

Melatonin wirkt generell schlaffördernd. Wird es vermehrt produziert und in den Blutkreislauf abgegeben, werden wir müde. Das im Blut zirkulierende Hormon kann an bestimmten Stellen (Rezeptoren) andocken und so z.B. den Energieverbrauch drosseln, den Blutdruck und die Körpertemperatur senken. Das Melatonin hat einen Kumpanen, der ebenfalls die Müdigkeit fördert – das Adenosin.

Die Ausschüttung von Melatonin beginnt in der Regel zwischen 19:30 Uhr und 21:30 Uhr. Zwischen zwei und vier Uhr nachts wird am meisten Melatonin ausgeschüttet bzw. ist der Spiegel am höchsten. Danach wird er relativ schnell über die Leber abgebaut.

Künstliches Melatonin verringert die Einschlafphase nur gering. Es gibt Studien

(Bericht aus ScienceDirect aus dem Jahr 2016 ist über diesen Link abrufbar:

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1087079216300545?via%3Dihub),

die in Einzelfällen von bis zu 5 Minuten verkürzter Einschlafphase berichten. Entscheidend ist die Dosierung. Bei den freiverkäuflichen „Einschlafhilfen“ ist die Dosierung am geringsten. In rezeptpflichtigen Medikamenten entsprechend höher. Hopfen hat, bezogen auf die Funktion einer Einschlafhilfe ähnliche Wirkung wie Melatonin, da er ebenfalls die Melatonin-Rezeptoren belegt. In manchen Ländern ist eine Therapie mit Melatonin erlaubt, da Melatonin in Bezug auf Krebsprävention und Stärkung des Immunsystems eine wahre Wunderwaffe darstellt. Allerdings ist die Gefahr einer Überdosierung gegeben und aus diesem Grund sollte man vorsichtig an eine solche Therapie herantreten.

Melatonin ist das stärkste, körpereigene Antioxidans. Es hat den Vorteil, dass es Zellmembranen und die Blut-Hirn-Schranke leicht überwinden kann. Seine Antioxidative Wirkung ist höher als die des Vitamin E. In den Mitochondrien wirkt es besonders schützend auf die Mitochondrien-DNA (unsere evolutionär älteste DNA) und schützend gegen Sauerstoff- und Stickstoffradikale. Es schützt die ATP-Synthese der Mitochondrien und verhindert die Apoptose – also den kontrollierten „Selbstmord“ der Zelle. Es ist das Mittel gegen mitochondrialen oxidativen Stress.

Eine regelrechte Funktion der Zirbeldrüse ist also nicht nur im Hinblick auf einen ausgeglichenen Schlaf- Wachrhythmus sinnvoll. Ihre Aufgabe bei der Produktion des Melatonin ist elementar. Später werden wir noch auf die Möglichkeiten eingehen, wie man die Zirbeldrüse aktivieren kann. So viel sei schon einmal verraten, der Magic Light PEN spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Im zweiten Teil werden wir auf andere Hormone wie Adenosin oder Tryptophan eingehen, die mit der Synthese von Melatonin in Verbindung stehen und ebenfalls wichtige Aufgabe zu erledigen haben. Es wird im zweiten Teil also erst einmal biologisch, bzw. biochemisch weitergehen. Ein alter Bekannter wird wieder auf die Bühne treten – das ATP.

Im dritten Teil dieser Serie werden wir uns ausführlich mit anderen Ansätzen, Sichtweisen und Deutungen der Zirbeldrüse auseinandersetzen, um im Finale die Aktivierung der Zirbeldrüse zu besprechen.